Kontakt
Apothekerin Gabriele Bleske
Badeweg 1, 23683 Scharbeutz
04503 / 72220 04503 / 72220

Kontakt speichern

Thema des Monats

Sonne und Sonnenschutz

Ob im Urlaub oder daheim – das UV-Licht der Sonne birgt auch Risiken für Ihre Gesundheit: Vom leichten Ausschlag bis zu Hautkrebs...

UV-Strahlung

Sonnenlicht besteht physikalisch betrachtet aus elektromagnetischen Wellen mit Wellenlängen von 280 bis 3.000 nm. Auf die Erdoberfläche treffende Strahlung ist etwa zur Hälfte sichtbares Licht, 45% sind Infrarotstrahlen (Wärmestrahlung) und nur knapp 5% sind aggressive ultraviolette Strahlung (UV).

Gerade die UV-Strahlen sind photobiologisch aktiv: sie beeinflussen den Zellstoffwechsel und die Zellkinetik, die Blutzirkulation und die Bildung des Farbstoffs Melanin in der Haut, sowie die Hautstruktur.

So werden 90% des vom Körper benötigten Vitamin D in der Haut durch Sonneneinwirkung gebildet. Vitamin D sorgt dafür, dass Kalzium aus dem Darm ins Blut aufgenommen werden kann und in die Knochen gelangt. Bei Vitamin-D-Mangel kann der Organismus Kalzium nicht oder nur schlecht verwerten und nimmt deshalb entsprechend weniger Kalzium aus der Nahrung mit der Folge von Mangelversorgung und Mangelerkrankungen auf.

Die UV-Strahlen sorgen auch für die Bräune der Haut und damit für einen Schutz vor den Strahlen selbst: Die Bräunung der Haut durch Sonnenlicht entsteht durch dunkle Pigmente: dem Melanin. Die Hautzellen bilden in den Melanozyten unter dem Einfluss von UV-A aus Melaninvorstufen den Farbstoff Melanin, der eben dem Schutz der Haut vor ultravioletter Strahlung dient. Je mehr Melanin gebildet wird, desto stärker sind die Bräunung und damit der Schutz der Haut.

Ausgiebige bzw. ungeschützte Sonnenexposition steht aber auch in Zusammenhang mit ernsthaften Erkrankungen wie Haut- und Lippenkrebs oder Trübung der Augenlinse (Grauer Star). In solchen, sich durch Ozonloch und Freizeitverhalten mittlerweile alle sieben Jahre verdoppelnden Fällen, haben zu hohe UV-Strahlendosen die Eigenschutz- und Reparaturmechanismen der Haut überwunden, so dass es zu irreparablen Schädigungen der Zellen gekommen ist.

UV-Licht ist energiereich und wird in die Bereiche UV-A, UV-B und UV-C eingeteilt. Alle energiereichen Strahlen sind in der Lage, die Bildung Freier Radikale zu stimulieren, die zu dauerhaften Schäden des Hautgewebes bzw. der Erbsubstanz beitragen. UV-C-Strahlen erreichen die Erdoberfläche in kaum messbarer Menge und sind deshalb wenig relevant. UV-A-Licht ist langwelliger als UV-B. Je langwelliger die Strahlen sind, umso mehr und tiefer dringen sie in die Haut ein.

Hautschäden durch UV-Strahlen

UV-A steht für Sonnenallergien, Hautalterung und Hautkrebs

Den größten Anteil am UV-Licht haben die UV-A-Strahlen; sie dringen tief bis in die Lederhaut ein. In der Lederhaut erreicht die Strahlung Blutgefäße und Fasern des Bindegewebes. Durch entstehende Freie Radikale wird die Elastizität der Haut dauerhaft geschädigt: die Haut altert schneller, sie wird trocken, faltig und bekommt Pigmentflecke, das Risiko für Hautkrebs steigt an.

UV-A-Strahlen können (durch Funktionseinschränkung der Langerhans-Zellen und Freisetzung von Mediatoren aus Keratinozyten) auch das Immunsystem schwächen. Typisches Symptom hierfür ist Lippenherpes: das Immunsystem ist hier geschwächt und nicht mehr in der Lage, die latent im Körper vorkommenden Herpes-Viren unter Kontrolle zu halten, so dass diese zum Ausbruch der Erkrankung führen.

Ferner kann UV-A-Strahlung als Reaktion empfindlicher Haut im Zusammentreffen mit Emulgatoren oder Fett aus kosmetischen Produkten - hierzu zählen auch Sonnenschutzprodukte - Mallorca-Akne und so genannte Sonnenallergie auslösen (s.u.). Um diese Hautreaktionen zu vermeiden, sollten man Sonnenschutzmittel, aber auch Après- und andere Pflegeprodukte benutzen, die einen hohen UV-A-Schutz, aber möglichst keine Emulgatoren enthalten.

UV-B steht für Sonnenbrand und Hautkrebs

UV-B-Strahlen sind an der Bildung von Vitamin D beteiligt und daher unentbehrlich für gesunde Knochen. Etwa 10% der UV-B-Strahlen erreichen die Basalzellschicht der Haut und aktivieren dort Melanozyten zur Bildung von Melanin, dem Hautpigment. Zudem beschleunigt UV-B-Licht die Zellteilung in der Basalzellschicht, dadurch verdickt die Hornschicht, auch Lichtschwiele genannt (s.u.).

Eine zu hohe Dosis UV-B-Strahlen verursacht Sonnenbrand, eine entzündliche Rötung der Haut. Dabei werden die Keratinozyten so schwer geschädigt, dass Hautzellen absterben. Langfristig steigt mit der Zahl der erlittenen Sonnenbrände die Gefahr von Erbgutveränderungen und damit von Hautkrebs an.

Durch Freizeitaktivitäten sind Kinder einer bis zu dreifach höheren UV-Strahlung ausgesetzt als Erwachsene. UV-Schäden und wiederholte Sonnenbrände in der Kindheit und Jugendzeit erhöhen das Risiko, im späteren Leben an epithelialem Hautkrebs und malignem Melanom zu erkranken. Erleidet ein Mensch mehr als 3 Sonnenbrände in der Kindheit, verfünffacht sich das Melanomrisiko.

Je nach Hauttyp, Vorbräunung und Sonnenintensität genügen schon geringe Besonnungszeiten, um Sonnenbrand hervorzurufen. Außerdem schwächt auch hoch dosierte UV-B-Strahlung das Immunsystem.

Polymorphe Lichtdermatose

Bei 90 % aller Patienten mit Sonnenallergien wird eine polymorphe Lichtdermatose (PLD) diagnostiziert. Juckende Knötchen, Bläschen oder Pusteln, aber auch blasige oder blutunterlaufene Rötungen als Symptome werden durch eine fehlregulierte Immunantwort auf den oxidativen Stress ausgelöst. Diese Immunantwort tritt einige Stunden bis Tage nach der Sonnenexposition ein.

PLD wird durch oxidativen Stress der Hautzellen, u.a. bedingt durch UV-induzierte Freie Radikale, ausgelöst. In 80 % der Fälle sind hierfür allein UV-A-Strahlen verantwortlich, bei 12 % UV-B-Strahlen und bei 8% sind UVA- und UVB-Strahlen die Ursache. Die PLD tritt nach erster intensiver Sonnenexposition im Frühjahr und Sommer bei 10–20% der Bevölkerung, davon 90% Frauen, auf. Man geht dabei von einer genetischen Veranlagung für die PLD aus, da PLD familiär gehäuft auftritt. Häufig erscheint sie erst ab dem 3. Lebensjahrzehnt.

Mallorca-Akne

Bei UV-A-Bestrahlung tritt in Kombination mit bestimmten Inhaltsstoffen von Hautpflegeprodukten und Sonnenschutzmitteln (z.B. besonders fetthaltige Emulsionsgrundlagen) die so genannte Mallorca-Akne auf, eine Irritation der Talgdrüsenfollikel mit einer daraus resultierenden Entzündungsreaktion inkl. Juckreiz etc. Mallorca-Akne tritt nahezu ausschließlich im Urlaub bei Sonnenexposition in ungewohnten Breiten oder Höhen auf, und zwar einige Stunden bis Tage nach der Sonnenexposition.

Da sowohl die Hautsymptome als auch die bevorzugten Stellen für das Auftreten von Mallorca-Akne und PLD ähnlich sind, wird häufig eine falsche Diagnose gestellt. Mallorca-Akne ist bei weitem nicht so häufig wie PLD. Ihr Auftreten ist bei einer Neigung zu fett-feuchter Haut (häufig Akne in der Krankenvorgeschichte) vermehrt, es sind zudem nahezu ausschließlich Frauen, häufig erst ab dem 3. Lebensjahrzehnt, betroffen.

Weitere photoallergische/phototoxische Reaktionen

Empfindliche oder vorerkrankte (z.B. bei Neurodermitis, Psoriasis und Akne) Haut reagiert auf unterschiedliche Stoffe leicht mit Irritationen und neigt schnell zu Sonnenallergien oder phototoxischen Reaktionen. Duftstoffe, chemische UV-Filter oder auch Arzneimittel können hierfür im Zusammenspiel mit UV-Strahlung verantwortlich sein. Bei guten Sonnenschutzprodukten sollte deshalb auf Parfüm und Farbstoffe verzichtet worden sein.

Potenziell photosensibilisierende Arzneimittel sind, z.B., bestimmte Antibiotika, Antidepressiva (bekannt sind hier vor allem Johanniskrau-Präparate), Antidiabetika, Heuschnupfen- und Asthmamittel, Verhütungsmittel (Pille), ... Die Einnahme oder lokale Anwendung solcher Arzneimittel kann ebenfalls zu einer Sonnenunverträglichkeit führen.

Bei der selteneren Sofortreaktion bilden sich juckende Quaddeln (Lichturtikaria) an dem Licht ausgesetzten Körperstellen. Bei der Spätreaktion (Lichtekzem) ist die Hautreaktion meist auf die lichtexponierte Stelle begrenzt, kann sich aber sogar an lichtgeschützten Stellen als so genannter Streuherd entwickeln. Ihre Apotheke gibt Ihnen Hinweise und berät Sie auch hierzu gern.

Sonnenschutz

Zell-Eigenschutz und Zell-Reparatur

UV-B-Strahlen erreichen die Basalzellschicht der Haut und aktivieren dort Melanozyten zur Bildung von Melanin, dem Hautpigment. Dieses Melanin wird auf die Nachbarzellen übertragen, legt sich wie ein Schutzschirm über den Zellkern und schützt die enthaltene Erbsubstanz DNA vor der UV-Strahlung. Die Zellen färben sich dadurch goldbraun, es kommt zur Bräunung der Haut. In den ersten Tagen der Besonnung müssen die Melanozyten das Melanin erst bilden. Die Gefahr von Hautschäden ist somit besonders hoch, auch wird man nicht sofort braun. Dunkelhäutige Personen haben genauso viele Melanozyten wie hellhäutige, nur sind deren Zellen aktiver und produzieren mehr Melanin.

UV-B beschleunigt auch die Zellteilung in der Basalzellschicht. Dadurch verdickt innerhalb weniger Tage die Hornschicht, auch Lichtschwiele genannt, deren Bildung nach zwei bis drei Wochen abgeschlossen ist.

Hautbräunung und Lichtschwiele sorgen dafür, dass die Eigenschutzzeit der Haut, d.h. die Zeit, welche die Haut der Sonne ausgesetzt sein kann, ohne einen Sonnenbrand auszubilden, ansteigt. Kinderhaut ist jedoch noch nicht vollständig entwickelt. Ihre Hornschicht ist noch relativ dünn, es wird keine ausreichende Lichtschwiele gebildet, die vor UV-Strahlen schützen könnte. Auch das Pigmentsystem ist noch nicht vollständig entwickelt. UV-Schutz ist deshalb für Kinder besonders wichtig.

Die Haut enthält zudem eine Reihe von natürlichen Schutzfaktoren gegen Freie Radikale, z.B. Enzyme wie Superoxiddismutase, Katalase und Glutathion Peroxidase, lipophile Komponenten wie Ubiquinone, Tocopherole und Carotinoide oder die wasserlöslichen Antioxidantien Ascorbinsäure und Glutathion. Dabei wirken diese Antioxidantien spezifisch gegen bestimmte Freie Radikale: So sind Ascorbinsäure und Tocopherolacetat (Vitamin E) beispielsweise besonders wirksame Radikalfänger für Superoxid (OH2-).

Freie Radikale greifen die Erbsubstanz DNA an, Basenpaare, Genabschnitte oder ganze Gene werden dabei geschädigt. Diese geschädigte DNA darf nun möglichst nicht von Zellteilung zu Zellteilung weitervererbt werden. Deshalb bringt die so genannte Tumorsuppression zunächst irreparable Zellen zum Absterben. Bei leicht geschädigter DNA erkennen Enzyme betroffene DNA-Stücke, schneiden sie aus und ersetzen sie durch gesunde (Exzisionsreparatur). Danach kann die Zelle wieder ihre normalen Funktionen erfüllen.

Externer Sonnenschutz

Der beste Sonnenschutz ist mit Kleidung, Hut und Sonnenbrille zu erreichen. Alle von Kleidung nicht bedeckten Hautpartien, vor allem aber die besonders gefährdeten "Sonnenterrassen" des Körpers (Nasenrücken, Ohren, Unterlippe, Kinn, Glatze, Schultern, Rücken, Brüste, Gesäß und Fußrücken), sollten ausreichend mit Sonnenschutzmitteln, die im UV-A- und UV-B-Bereich filtern, geschützt werden. Die Benutzung eines Sonnenschutzmittels ist dabei jedoch kein Freibrief für eine exzessive Besonnung.

Die EU-Kommission will Verbrauchern dabei helfen, ein geeignetes Sonnenschutzmittel auszuwählen. Die Brüsseler Behörde sieht Handlungsbedarf für standardisierte Testverfahren sowie einheitliche und eindeutige Kennzeichnungen und Warnungen, weil sie überzeugt ist, dass so gut wie niemand die vielen Kennzeichnungen auf Sonnenschutzmittel-Verpackungen richtig einschätzen kann.

Die Kommission ist zum Beispiel besorgt, dass sich Konsumenten ausreichend geschützt glauben, wenn sie sich mit einem Präparat, das den Lichtschutzfaktor (LSF) 30 ausweist, eincremen. Tatsächlich bezieht sich dessen Schutz jedoch nur auf die so genannte UV-B-Strahlung (Sonnenbrand), nicht aber auf UV-A-Strahlen, die eine vorzeitige Alterung der Haut verursachen, das Immunsystem beeinträchtigen und das Risiko von Hautkrebs erhöhen. Kritisch beäugt die Behörde auch den Begriff "Sunblocker", weil der eine vollständige Abwehr aller Strahlung suggeriere.

Das richtige Sonnenschutzmittel

Ein Sonnenschutzmittel ist nicht nur nach dem angegebenen Lichtschutzfaktor auszuwählen. Vielmehr ist von Wichtigkeit, das ein möglichst breiter Wellenlängenbereich des UV-Lichts (nämlich UV-A und UV-B) abgedeckt ist (Filterbandbreite), und dass das Sonnenschutzmittel eine hohe Extinktionsleistung (Filterwirksamkeit bei der jeweiligen Wellenlänge) bzw. Reflexionswirkung aufweist.

Zudem interessiert, mit welchen Mitteln dieser Lichtschutz erzielt wird. Und auch, wie hautverträglich und wie hochwertig die Grundlagen der Sonnenschutz-Produkte sind. Es ist anzunehmen, dass in billigen Produkten keine hochwertigen Substanzen verwendet werden, denn der Verkaufspreis wird stets –und sei es auch nur etwas – über der Summe der einzelnen Rohstoffpreise liegen müssen. Ist das Produkt also wirklich billig, so sind auch billige Grundsubstanzen enthalten.

Die zweitbeste Wahl: Chemischer Lichtschutz

Hier verwendet man Substanzen, die aufgrund ihrer molekularen Struktur UV-Strahlungsenergie aufnehmen und umwandeln können. Man bezeichnet sie als Filtersubstanzen. Die Extinktionsleistung der Filtersubstanz beschreibt dabei den Umfang der UV-Lichtenergieaufnahme- und Umwandlung.

Die Fähigkeit dieser Moleküle, UV-Strahlen zu absorbieren, beruht auf einer Wechselwirkung der elektromagnetischen Wellen des Lichts mit diesen Molekülen. Die Licht-Energie der UV-Strahlen wird von dem Molekül der Filtersubstanz zuerst aufgenommen und später in anderer Form wieder abgegeben. Findet die Energieabgabe über Wärmeabgabe statt, ist dies unschädlich, läuft sie aber über chemische Reaktionen ab, sind entzündliche Reaktionen der Haut möglich.

Chemische Lichtschutzmittel sind nicht völlig unkritisch zu sehen: Die organischen, oft fettlöslichen Substanzen können sich im Fettgewebe des Körpers oder in der Muttermilch anreichern. Eine Verwendung bei Babys und kleinen Kindern sollte vermieden werden. Auch wurden bei UV-Filtern in Sonnenschutzmitteln oft hormonelle Wirkungen festgestellt.

Erste Wahl: Physikalischer Lichtschutz

Wichtigster Vorteil des physikalischen Lichtschutzes ist der Breitbandschutz im gesamten UV-A- und UV-B-Bereich, und das ohne Nebenwirkungen (bei Verwendung solcher Sonnenschutzmittel haben Unverträglichkeiten Ihre Ursache allein in Hautreaktionen auf Substanzen der Trägerstoffe wie Salbengrundlagen etc.). Physikalische Schutzsysteme werden deshalb gern bei Unverträglichkeit der chemischen Filterpräparate, leider aber nicht generell eingesetzt.

Erreicht wird dieser hautschonende Lichtschutz durch feine organische oder anorganische Partikel im Nanometerbereich. Diese Partikel reflektieren und streuen Licht, manche absorbieren es auch.

Üblicherweise bestehen solche Partikel aus Titandioxid oder Zinkoxid sowie Tonerde, wobei moderne physikalisch wirkende Sonnenschutzmittel keine die Haut weiß verfärbenden Salben mehr sind: Denn setzt man die durchschnittliche Partikelgröße der Pulver von 300nm auf 10 – 40 nm herunter, so erhält man bei entsprechender Grundlage der Lotion ein weitgehend transparentes Präparat. Diese kleinen Teilchen bilden dann zwar einen transparenten Film, können aber unter Umständen auch in die Oberhaut eindringen, was nicht gewünscht ist.

Sowohl UV-A-Strahlen als auch UV-B-Strahlen werden von den Mikropigmenten direkt auf der Hautoberfläche reflektiert. Feinste, besonders hautverträgliche, mineralische Mikropigmente legen sich wie ein Schutzfilm auf die Haut. Der Vorteil von Mikropigmenten ist, dass sie nicht absorbiert werden, d. h. nicht durch die Hornschichtbarriere in die lebenden Hautschichten vordringen. Dadurch sind sie besonders hautverträglich und es können keine phototoxischen oder -allergischen Reaktionen entstehen. Sie sind somit für Personen mit besonders empfindlicher Haut, darunter Kleinkinder, besonders geeignet.

Sie kennen vielleicht Liposomen aus hochwertigen Hautpflegeprodukten oder innovativen Arzneizubereitungen, die zum Auftragen auf die Haut gedacht sind. Solche Kügelchen im Nanometerbereich sind eben Nanokugeln. Sie schützen ebenso wie die Titandioxid- oder Zinkoxid-Produkte durch ihre Reflexionswirkung besonders sanft vor UV-Strahlung, sind jedoch etwa zehnmal größer und bleiben deshalb zum Großteil auf der Haut liegen oder werden rasch abgebaut, sofern sie in die Oberhaut gelangen. (In dieser Größe können die Zink- und Titanoxide nicht verwendet werden, da sie dann deckend weiß statt transparent erscheinen.). Zusätzlich können in den Nanokugeln chemische UV-Filter eingekapselt werden, so dass ein besonders intensiver und zugleich hautfreundlicher Sonnenschutz erreicht wird. Denn die chemischen UV-Filter werden – in den Nanokugeln eingeschlossen - daran gehindert, mit der Haut in Kontakt zu kommen. Damit bieten die Fettperlen einen besonders hautfreundlichen und effektiven Schutz vor der gefährlichen Strahlung.

Vier Prozent der Kugeln genügen in einer Lotion, um jeden Quadratzentimeter Haut mit unsichtbaren, schützenden Perlen zu bedecken. Mit den Nanoperlen allein erreicht man schon einen Lichtschutzfaktor von etwa zehn. Werden zusätzlich in den Perlen UV-Filter eingesperrt, wird mit dieser Kombination ein intensiver Schutz vor den UV-Strahlen erzielt. Dabei genügt etwa die Hälfte der sonst üblichen Menge eines typischen UV-Filters.

Da die neuartigen Nanoteilchen im Wesentlichen nur aus Fett und Wasser bestehen, treten Allergien bzw. Hautreizungen kaum oder gar nicht auf. Darüber hinaus verdoppeln die Fettperlen die Feuchtigkeit spendende Wirkung einer Lotion.

Enzymatischer Lichtschutz

Blaualgen leben knapp unter der Wasseroberfläche und sind tagsüber permanent den UV-Strahlen ausgesetzt. Entsprechend müssen sie über einen höchst wirksamen Sonnenschutz verfügen. Forscher entdeckten bei ihnen, wie auch bei Gürtel- und Beuteltieren, ein Enzym namens Photolyase, welches sonnenstrapazierte und hitzegestresste Zellen regeneriert. Klinische Tests am Menschen bewiesen, dass dieses Enzym auch auf der menschlichen Haut wirksam ist und diese vor Schäden vor UV-Strahlen schützen kann:

Das Enzym Photolyase regeneriert durch UV-Strahlung verursachte Schäden im Erbgut, z.B. von Hautzellen, und kann so Langzeitschäden in deren Zellstruktur vermeiden helfen. Photolyase wirkt deshalb besonders gut gegen die langfristigen Folgeschäden des UV-Lichts: vorzeitiges Altern der Haut kann verhindert werden, das Risiko für Hautkrebs wird deutlich verringert, das Immunsystem der Haut und sein eigenes Schutzsystem bleiben intakt.

Photolyase kann praktisch schon während des Sonnenbadens DNA-Schäden erkennen und beheben. Wofür hauteigene Regenerationsmechanismen (s.o) fast einen ganzen Tag benötigen, genügen der Photolyase wenige Minuten. Photolyase ist für jeden Hauttyp geeignet und allgemein uneingeschränkt verträglich. Sie ist für jeden zu empfehlen, der sich viel in der Sonne aufhält, vorzeitiges Altern der Haut vermeiden und das Hautkrebsrisiko reduzieren will.

Pflanzenflavonoide

Zahlreiche pflanzliche Flavonoide zeichnen sich durch eine hohe antioxidative Wirksamkeit hinsichtlich Freier Radikale (s.o.) aus: Um antioxidativ wirksam werden zu können, müssen die Flavonoide jedoch die Hornschicht der Haut durchdringen und in die Hautschichten der Oberhaut vordringen. Dies ist insofern schwierig, als Pflanzenflavonoide in wässrigen und fetten Zubereitungen nur schwer löslich sind.

Alpha-Glucosyl-Rutin (AGR), eine antioxidative Substanz, ist ein patentierter chemischer Abkömmling des natürlichen Flavonoids Rutin, (welches aus dem Pagodenbaum gewonnen wird), der sich durch eine bessere Löslichkeit und damit eine hohe Bioverfügbarkeit auch bei Anwendung auf der Haut auszeichnet. AGR wird in Kombination mit einem Breitbandfiltersystem zum Schutz vor Sonnenallergie angewendet.

Präparate zur Vorbeugung

Gelbe und rote Gemüse und Früchte enthalten in relativ großen Mengen Beta-Carotin oder/und das noch wirksamere Lycopin, die bekanntesten Vertreter der Gruppe der Carotinoide, die unter anderem als Photoprotektoren, also natürliche Lichtschutzsubstanzen, in Pflanzen und Mikroorganismen eine wichtige Rolle spielen.

In Studien konnte die deutliche Verminderung einer durch UV-Licht hervorgerufenen Hautrötung (Sonnenbrand) nach Einnahme von Beta-Carotin und Lycopin gemessen werden. Der erhaltene Sonnenschutzfaktor liegt bei etwa zwei bis drei, dieser Effekt ist jedoch erst nach mehreren Wochen ausgeprägt. Der Grundschutz der, z.B., blassen Haut des keltischen Hauttyps lässt sich somit im Rahmen einer lebenslangen Vorbeugung, z.B. durch dauerhafte Einnahme entsprechender Präparate erhöhen. (Bitte lassen Sie sich in der Apotheke hierzu beraten; hier gibt es Unterschiede zwischen Nichtrauchern und Rauchern zu beachten!)

Photoallergischen Reaktionen und Sonnenunverträglichkeits-Reaktionen begegnet man am besten mit hochwertigen Calcium-Präparaten, welche dem Körper den zellmembranstabilisierenden Mineralstoff in ausreichender Dosis bei guter Bioverfügbarkeit zur Verfügung stellen.

Nach dem Sonnenbad

Hautpflege und Sonnenallergieprophylaxe sind auch nach dem Sonnenbad wichtig: Empfindliche, allergiegefährdete Haut braucht eine regenerierende Pflege mit anhaltender antioxidativer Wirkung. Eine ideale Ergänzung der Sonnen(allergie)schutz-Produkte sind After Sun bzw. Après Solaire Präparate, welche die Haut parfüm-, emulgator- und farbstofffrei kühlen, mit Feuchtigkeit und ggf. etwas Fett versorgen.

Optimal sind Produkte, die das hauteigene Schutzdepot gegen UV-induzierten oxidativen Stress mit antioxidativen Substanzen wie Alpha-Glucosyl-Rutin (AGR) und Vitamin E stärken oder die Zellregeneration mittels Photolyase anregen.

Tipps

Für die meisten von uns ist zwar ein wirksamer Schutz gegen UV-Strahlen selbstverständlich, aber vielfältige Fehler im Umgang mit Sonnenlicht führen dennoch oft zu den unangenehmen und gefährlichen Beeinträchtigungen der Haut. Deshalb hier noch einige Tipps.

  • Allgemein gilt: Vermeiden Sie in den Mittagsstunden den Aufenthalt in der Sonne. Halten Sie sich auch sonst vorwiegend im Schatten auf. Gestreutes UV-Licht sorgt auch hier für eine gute Bräunung.
  • Nehmen Sie die UV-Strahlung in südlichen Regionen oder im Hochgebirge auch bei bedecktem Himmel ernst. Auch auf dem Land ist, bei geringerer Luftverschmutzung als in der City, die UV-Strahlung höher.
  • Wählen Sie für Ihren Gesundheitsschutz ein Sonnenschutzmittel mit ausreichendem UV-A- und UV-B-Schutz.
  • Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke die Berechnung der maximalen Aufenthaltsdauer in der Sonne erklären. Die richtige Besonnungsdauer bzw. der korrekte Lichtschutzfaktor lassen sich anhand des Grades der Sonnenempfindlichkeit (Hautpigmentierung) wie auch der Sonnenintensität des Aufenthaltsortes bestimmen.
  • Nehmen Sie einen Ihrer Haut und Ihrem Aufenthaltsort angemessenen Lichtschutzfaktor (LSF), anfangs immer einen höheren. Beachten Sie die (noch) unterschiedlichen Normen.
  • Empfindliche und exponierte Hautpartien wie Nase, Ohren, Lippen und Dekolleté benötigen einen höheren LSF. Nach Peelings, Laserbehandlungen und Einnahme bestimmter Medikamente die extrem sonnenempfindliche Haut mit einem sehr hohen Lichtschutzfaktor schützen.
  • Da bereits vor dem Entstehen eines sichtbaren Sonnenbrandes Hautzellschäden eintreten können, sollte die oben genannte Maximalzeit nur bis zu ca. 60% genutzt werden.
  • Sonnenschutzmittel rechtzeitig, d.h. 30-45 Minuten vor dem Sonnenkontakt, auftragen. Keine Parfums zusätzlich verwenden.
  • Die Mittel ausreichend großzügig auftragen, die Anwendung alle 2 Stunden wiederholen.
  • Wasserfeste Mittel überdauern das Schwitzen, seewasserfeste Mittel sind für den längeren Aufenthalt im Wasser geeignet. Nach dem Schwimmen muss aber erneut aufgetragen werden.
  • Die erlaubte Aufenthaltsdauer in der Sonne gilt nur einmal am Tag und lässt sich auch durch erneutes Auftragen des Sonnenschutzmittels nicht verlängern.
  • Kleinkinder unter einem Jahr nicht der direkten Sonne aussetzen, Sonnenschutzprodukte mit Mikropigmenten und extra wasserfeste Produkte bevorzugen. Babys und Kleinkinder zusätzlich mit T-Shirt und Kopfbedeckung ausstatten.
  • Sonnenallergiker sollten Spezialprodukte gegen Polymorphe Lichtdermatose (PLD) anwenden.
  • Nach dem Sonnenbad die Haut mit Feuchtigkeit spendenden Gels und Lotionen, welche die Zellreparatur befördern, beruhigen.

Gehen Sie bitte kein unnötiges Risiko ein und lassen Sie sich in der Apotheke von Fachleuten beraten. Hier erfahren Sie, welches Sonnenschutzmittel für Sie am besten geeignet ist, wie Sie sich richtig schützen. Außerdem können Sie sicher sein, hautfreundliche Qualitätsprodukte mit einen ausreichenden UV-A- und UV-B-Schutz zu erhalten.

Quelle: Text: meXXart pohl & veith GbR / Bild: BilderBox.com

Sonnenschutz Symbolbild